Mini-Krimi: Raten und Gewinnen

Hier mein erster Mini-Krimi für Euch. Die Auflösung findet ihr am Ende.


Der reiche Graf Plattenburg wurde von seiner Haushälterin tot in der Küche aufgefunden. Er wurde in der Nacht niedergeschlagen. Am nächsten Tag wollte er seinen beiden Erben offiziell bekannt geben, dass er ein Drittel seines Vermögens seiner Altenpflegerin vermachen wollte. In seinem alten Testament wurden nur die beiden Neffen Peter und Robert benannt. Sie erbten jeweils die Hälfte. Beide Neffen sind auf Wunsch des Onkels im Haus zum Zeitpunkt des Mordes. “Können Sie mir sagen, was passiert ist?”, fragte Kommissar Bishop die Haushälterin. “Ich bin heute morgen wie üblich zur Arbeit gekommen.” “Haben Sie etwas Ungewöhnliches bemerkt als Sie ankamen?” “Nein. Seit zehn Jahren habe ich hier einen festen Arbeitsablauf. Ich hole die Zeitung aus dem Briefkasten, bereite ein Nussmüsli zu und toaste zwei Scheiben Toast. Dann trage ich Zeitung und Frühstück hinauf zu Graf Plattenburg.” “Würden Sie sagen, dass Sie und der Graf sich nahe standen?” “Ja, wir standen uns sehr nahe. Ich bin nicht nur die Haushälterin. Seit etwa einem Jahr war Graf Plattenburg taub und ich half ihm, seine täglichen Angelegenheiten zu erledigen.” “Können Sie sich vorstellen, wer den Grafen ermorden wollte?” “Ich kann mir vorstellen, einer seiner beiden Neffen, die wegen des neuen Testaments angereist sind. Die junge Altenpflegerin hat es geschafft, sich ein Drittel seines Vermögens zu erschwindeln, nach nur zwei Monaten in diesem Haus. Das ist nicht richtig.”


“Vielleicht nicht. Können Sie mir sagen, ob die Altenpflegerin gestern im Haus war?” “Nein, war sie nicht. Graf Plattenburg hat sich wohl gedacht, dass das Gespräch mit seinen Neffen einfacher sein würde, ohne dass sie anwesend war.” “Ist sie heute hier gewesen?” “Nein.” “Vielen Dank für Ihre Zeit. Ich werde nochmals auf Sie zukommen, wenn ich noch Fragen haben sollte.” Nachdem Kommissar Bishop die Haushälterin befragt hatte, sprach er mit dem älteren Neffen Peter. “Können Sie mir sagen, was passiert ist?”, fragte Kommissar Bishop. “Woher soll ich das wissen? Heute morgen habe ich die alte Omi, die hier das Haus sauber macht, schreien hören. Also habe ich mir die Ohrstöpsel in die Ohren gestopft und weiter geschlafen. Ich hatte keine Ahnung, was passiert ist, bis einer Ihrer Männer mich aus meinem Zimmer geholt hat.” “Wann haben Sie Ihren Onkel zum letzten Mal gesehen?” “Vor sechs oder sieben Jahren vielleicht. Der Mann war ein Tyrann. Ich habe ihn gemieden wie die Pest.” “Haben Sie ihn gestern gesehen, nachdem Sie angereist sind?” “Nein habe ich nicht. Ich bin direkt hinauf in mein Zimmer gegangen, habe eine Schlaftablette genommen und bin schlafen gegangen. Die Konfrontation und die Beschimpfungen, die mein Onkel über mich schütten würde, konnten meiner Meinung nach noch einen Tag warten.” “Wie finden Sie es, dass die Altenpflegerin ein Drittel des Vermögens erben soll?” “Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Drohung, das Testament zu ändern, nur ein Trick war, um mich und Robert ein letztes Mal hierher zu locken. Ich habe vor meiner Ankunft mit dem Anwalt meines Onkels gesprochen und er sagte mir, er wisse nichts über ein neues Testament.” “Sie glauben, die Drohung eines neuen Testaments war nur ein Trick?” “Ja, ich glaube genau das war es. Der Graf war ein widerlicher Mensch. Ich kann nicht behaupten, ich sei traurig, dass er tot ist.” “Meine Quellen haben mir berichtet, dass sie kürzlich hohe Verluste in Ihren Geschäften gemacht haben und es finanziell für Sie nicht so rosig aussieht.” Peter lächelte. “Jetzt habe ich keine finanziellen Probleme mehr.” Nach der Befragung von Peter ging Kommissar Bishop zu Robert. “Können Sie mir sagen, was passiert ist?” “Ich bin heute morgen durch die Schreie der Haushälterin geweckt worden. Ich bin die Treppen herunter gerannt und habe meinen Onkel tot in der Küche aufgefunden. Dann habe ich Sie sofort benachrichtigt.” “Wann haben Sie zum letzten Mal Ihren Onkel gesehen?” “Gestern Abend. Er war in der Bibliothek und hat gelesen. Ich habe meinen Kopf zur Tür herein gestreckt und ‘Gute Nacht’ gesagt bevor ich nach oben gegangen bin.” “Hat Ihr Onkel auf Ihren Gute-Nacht-Gruß reagiert?” “Er hat mit dem Rücken zu mir gesessen und nicht aufgeschaut von seinem Buch. Aber er hat ebenfalls “Gute Nacht” vor sich hin gebrummelt und gesagt, “Wir sehen uns morgen.”” “Wer war gestern und heute Nacht sonst noch im Haus?” “Nur Peter. Er war in der Küche und hat sich eine Kleinigkeit zu Essen aus dem Kühlschrank geholt, als ich nach oben ging.” “Peter hat mir erzählt, er sei direkt nach seiner Ankunft auf sein Zimmer gegangen.” “Dann lügt er. Ich habe ihn in der Küche gesehen.” “Außer gestern Abend, wann haben Sie davor Ihren Onkel das letzte Mal gesehen?” “Oh, das ist schon ein paar Jahre her”, gab Robert zu. “Jetzt mache ich mir natürlich Vorwürfe, dass ich ihn nicht öfter besucht habe. Ich habe aber regelmäßig zu Feiertagen und seinem Geburtstag geschrieben. Peter hatte seit Jahren gar keinen Kontakt mehr zu ihm. Die beiden waren sich spinnefeind. Es ist schwer sich vorzustellen, dass mein eigener Bruder einen Mord begehen könnte. Aber das letzte, was er gestern Abend zu mir gesagt hat, bevor ich ins Bett ging war, dass er alles dafür tun werde, dass nicht ein Drittel unseres Erbes an diese Altenpflegerin geht. Es ist schwer, aber ich kann mir vorstellen, dass er es war.” Kommissar Bishop führte einige Telefonate und dann rief er die Haushälterin, Peter und Robert in der Bibliothek zusammen. Er schaute sie alle eindringlich nacheinander an und sagte dann: “Ich weiß, wer der Mörder ist.”


Auflösung



 Newsletter abonnieren

Weitere interessante Posts

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...