Mittwoch, 4. Januar 2017

10 Fehler, die Autoren machen. (Und wie man sie verhindert!)


Es ist nicht schlimm, dass man Fehler macht. Wichtig ist, dass man daraus lernt. Ich habe einige Fehler zusammengestellt, die Autoren und Schriftsteller begehen, egal ob Anfänger, Halbprofi oder Profi.

Fehler Nr. 1: Keine ausreichende Recherche

Es ist immer wieder ärgerlich, wenn ein Autor vermeidbare Fehler in sein Buch einbaut. Ja, es kann immer wieder passieren, aber die Glaubwürdigkeit leidet darunter.
Das fällt besonders auf, bei Büchern, die einen geschichtlichen Rahmen haben oder viel Lokalkolorit. Leser kaufen gerade Bücher mit lokalem Bezug, weil sie die Handlung und die Orte genau verfolgen wollen. Da fallen Fehler besonders auf und sind peinlich.

Am besten über Orte schreiben, die Ihr selbst besucht habt. Wenn Ihr ein Buch oder eine Geschichte schreiben wollt, die eng mit einem Ort verknüpft ist, dann fahrt hin. Macht Fotos und Notizen.

Solche ärgerlichen Fehler machen selbst Profis wie Dan Brown und bekommen dann dementsprechend Kritiken. Ein Artikel (in englischer Sprache) aus dem Telegraph. Er listet 50 faktische Fehler in Browns Büchern auf: The Lost Symbol and The Da Vinci Code author Dan Brown: 50 factual errors

Recherchiere Orte, Fakten und historische Begebenheiten sorgfältig. Im Internet findet man heute so gut wie alles. Es kann immer sein, dass kleine Details und sehr spezifische Infos falsch sind, aber offensichtliche Fehler müssen nicht sein. Und wenn es doch Fehler gibt und Leser Dir schreiben, dann solltest Du sie verbessern. Das ist bei gedruckten Büchern etwas schwieriger, aber in der heutigen Zeit von E-Books kein Problem.

Fehler Nr. 2: Keine Vorabplanung

Mind Map für Autoren: Krimi Mind Map
Mind Map: Entwurf einer meiner
Krimi-Geschichten
Mache Dir immer eine grobe Planung, wie Deine Geschichte ablaufen soll. Das kann in Form von Mind Maps sein oder einfach ein paar Stichworte.

Gerade bei langen Geschichten bzw. Romanen ist zumindest ein Storyboard oder ein Handlungsablauf wichtig, damit Du während des Schreibens nicht den roten Faden verlierst. Natürlich musst Du Dich im Verlauf des Schreibprozesses nicht sklavisch daran halten, wenn sich beim Schreiben Deine Geschichte entwickelt. Aber so ein grober Ablauf ist eine große Hilfe, denn bevor Du anfängst zu schreiben, hast Du Dich schon intensiv mit Handlung und Figuren beschäftigt. Das beschleunigt den Schreibprozess enorm.

Fehler Nr. 3: Schwächen in der Handlung

Die entstehen oft, wenn es keine Vorplanung gab und eine Geschichte "einfach so runter geschrieben" wird. Gerade lange Geschichten entstehen über einen größeren Zeitraum. Da vergisst man schon mal Szenen oder kleinere Ereignisse und schreibt sie später falsch weiter.

Nichts ist ärgerlicher, als wenn der Leser sich am Ende fragt, was ist denn jetzt aus der Figur XY geworden? Oder warum gab es am Anfang die Nebenhandlung im Krankenhaus, und am Ende wurde sie nicht weiter geführt?

Hinterlasse am Ende einer Geschichte keine offenen Fragen beim Leser. Das verärgert die Leser und enttäuscht sie. Und enttäuschte Leser kaufen kein zweites oder drittes Buch.

Fehler Nr. 4:Deine Geschichte ist voraussehbar

Es ist langweilig für Leser, wenn Sie nach den ersten 50 oder 100 Seiten eines Romans wissen, wie der Rest der Geschichte verläuft und wie es ausgeht. Wenn Du unbedingt einen Liebesroman mit einem Millionär oder einen Krimi mit einem Privatdetektiv schreiben willst, dann mache das ruhig. Sei Dir aber darüber im Klaren, dass Deine potentiellen Leser viele Bücher mit Millionären und Privatdetektiven lesen.

Natürlich ist jede Geschichte schon einmal irgendwie erzählt worden, daher baue unvorhergesehene Wendungen, Handlungen oder Figuren ein. Suche z.B. bei Amazon Bücher in Deinem Genre. Schaue Dir die Beschreibung der meist gekauften an (20-40 Stück). Lese die Beschreibungen und die Bewertungen der Leser. Sieh Dir genau an, was Ihnen gefallen hat und was nicht. Dann bekommst Du einen Eindruck, was auf dem Markt ist und was Deine potentiellen Leser mögen und was nicht.

Fehler Nr. 5: Es gibt keine Konflikte

Glückliche Menschen und ein harmonische Zusammenleben sind etwas Wunderbares – im richtigen Leben! Aber auf keinen Fall in einer Geschichte oder einem Roman! Schon Leo Tolstoy begann das Buch „Anna Karenina“ mit dem Satz: "Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche ist auf ihre Art unglücklich."

Wenn es nur glückliche Leute in Deiner Geschichte gibt, hat der Leser wenig Grund, sie zu lesen. Dann wäre es ja langweilig. Natürlich gibt es (fast) immer ein Happy End. Das liebt der Leser. Aber dieses Happy End müssen sich die Figuren in Deinem Roman erst mal verdienen! Lege ihnen zuerst jede Menge Steine in den Weg, damit sie eine Entwicklung durchmachen.

Fehler Nr. 6: Langweilige Dialoge

Ein Dialog sollte Deine Geschichte immer vorantreiben. Langweilige Dialoge und künstliche Dialoge nerven Leser. Dazu zählen auch endlose Reden, in denen Charaktere langatmig über ihre Vergangenheit berichten. Stattdessen sollten Dialoge wichtige Informationen beinhalten, die Spannung steigern oder eine neue Wendung in Deiner Erzählung einleiten.

Fehler Nr. 7: Alle Charaktere hören sich gleich an

Der erste Entwurf Deiner Geschichte sollte einfach herunter geschrieben werden. Im zweiten Durchgang solltest Du Deine Aufmerksam ganz auf die Figuren lenken. Stelle sicher, dass jeder Charakter in seiner eigenen Art agiert und spricht. Unterschiede müssen heraus gearbeitet werden, damit der Leser sie leicht voneinander unterscheiden kann.

Du kannst das gut an Hörbüchern üben. Höre Dir verschiedenen an und achte darauf, wie der Erzähler die verschiedenen Figuren spricht, betont und unterscheidbar macht.

Noch ein Tipp: Die Namen Deiner Figuren sollten sich unbedingt gut voneinander unterscheiden. Keine Figuren in einer Geschichte mit den Namen "Nina Schwarz", "Tina Schmitz" und "Adina Schwarzer".


Fehler Nr. 8: Deine Hauptfigur ist ein Fiesling

Deine Titelheldin ist ein absolute Tratschtante und Deine männliche Hauptfigur ein Jammerlappen oder purer Angeber? Dann werden Deine Leser die Geschichte gleich beiseitelegen. Deine Figuren können viel durchmachen oder auch Fehler haben, das alles bringt die Entwicklung Deiner Figuren weiter. Deine Charaktere können sich natürlich auch mal von ihrer fiesen und unangenehmen Seite zeigen, aber reine Fieslinge oder Nervensägen mögen Leser nicht. Mit denen fühlen und fiebern sie nicht mit. Diese verdienen auch kein Happy End, das Leser lieben.

Fehler Nr. 9: Keine Überarbeitung

Bei dem ersten Entwurf einer Geschichte oder eines Romans solltest Du alles "einfach runterschreiben". Nicht groß überlegen, welche Formulierung wäre besser, sondern erstmal die Geschichte in einem Guss schreiben, ohne Unterbrechungen.

Doch dann geht die Arbeit erst richtig los. Lass die Geschichte 1-2 Tage liegen und überarbeite Deine Geschichte in einem zweiten, dritten und vierten Entwurf. Achte jeweils auf einen bestimmten Aspekt pro Durchgang. Guter Spannungsbogen, natürliche Dialoge und glaubwürdige Charaktere.

Am besten danach Deine Geschichte mindestens 4-5 Tage – soweit keine Deadline ansteht – liegen lassen. Danach den letzten überarbeiteten Entwurf herausnehmen und laut vorlesen. Du kannst dies auch aufnehmen und anschließend anhören. Ist die Geschichte wirklich so gut, wie Du dachtest und kannst Du noch etwas verändern? Hören sich die Dialoge realistisch an?

Fehler Nr. 10: Niemanden Korrektur lesen lassen

Eine der häufigsten Kritiken – zumindest bei selbst publizierten Büchern – sind die vielen Fehler in einem Buch. Dazu zählen Kommafehler, Rechtschreibfehler, falsche Absätze und falsche Umbrüche.
Auch hier hilft – in einem ersten Schritt – Deine Geschichte Dir selbst laut vorzulesen. Dann fallen Dir sicher viele Fehler auf, aber nicht alle.

Oft sieht man selbst seine eigenen Fehler nicht – man weiß ja, was da stehen soll. Und auch das beste Schreibprogramm ist nicht so gut wie der Mensch. Lass Deine Geschichte auf jeden Fall von ein bis zwei Personen Korrektur lesen. Möglichst mindestens eine, die richtig gut in Grammatik ist.
Bei mir ist das oft meine Schwiegermutter. Sie war Lehrerin und die Geschwindigkeit, in der sie Fehler findet, ist unglaublich!


Ja, als Autor kann man viele Fehler machen. Wichtig aber ist vor allem, dass man sich der möglichen Fehlerquellen und Stolperfallen bewusst ist und die aktiv angeht. Aus Fehlern kann man lernen, das genau ist der Leitsatz für alle Autoren. DEN perfekten Text oder DIE perfekte Geschichte gibt es nicht.

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